
Termin/ Ort:
20.11.2026, 09:30-15:30 (online)
Offen für alle Interessierten!
Frühbucherrabatt bis 23.08.2026
Programmablauf und weitere Informationen:
Ab 9:00 Uhr
Online-Einlass
9:30 Uhr
Begrüßung und Eröffnung
9:45–10:30 Uhr
Die Entwicklung von Mitgefühl in der Kindheit
Prof. Dr. rer. soc. Jutta Kienbaum
Die Fähigkeit, sich in andere hinein- und mit ihnen mitzufühlen, ist von entscheidender Bedeutung für ein menschenwürdiges Zusammenleben. Der Vortrag befasst sich zunächst mit der Frage, wie Empathie und Mitgefühl zu definieren und voneinander abzugrenzen sind. Anschließend steht das Thema der Entwicklung von Mitgefühl im Zentrum: Wann tritt Mitgefühl das erste Mal im menschlichen Lebenslauf auf? Wie entwickelt es sich im Verlauf der Kindheit weiter, und welche Faktoren tragen zur Entstehung von Unterschieden zwischen gleichaltrigen Kindern bei? Können Erwachsene das Mitgefühl der ihnen anvertrauten Kinder fördern?
Diese und andere Fragen werden anhand von theoretischen Überlegungen und empirischen Befunden erörtert. Letztere stammen u.a. aus eigenen quer- und längsschnittlichen Untersuchungen, die in Moskau, Südtirol und Deutschland durchgeführt wurden.
10:30-10:45 Uhr Diskussion
15 Minuten Pause
11:00-11:45 Uhr
Mentalisieren in der Elternarbeit
Dr. phil. Maria Teresa Diez Grieser
Mentalisieren bezeichnet die Fähigkeit, eigenes Verhalten sowie das Verhalten anderer als Ausdruck innerer Zustände wie Bedürfnisse, Gefühle, Fantasien und Gedanken zu verstehen. In der Elternschaft ist diese Fähigkeit zentral, da sie Eltern ermöglicht, ihr Kind als eigenständiges Subjekt wahrzunehmen und dessen Verhalten besser einzuordnen. In der Elternarbeit zielt die Förderung des elterlichen Mentalisierens darauf ab, Eltern dabei zu unterstützen, das Verhalten ihres Kindes nicht vorschnell zu bewerten, sondern ihm mit einer neugierigen und reflektierenden Haltung zu begegnen. Dadurch können Missverständnisse reduziert und konflikthafte Interaktionen entschärft werden. Eine wichtige Grundlage dafür ist die Erfahrung der Eltern, im professionellen Kontakt selbst verstanden und mentalisiert zu werden. Gleichzeitig erfordert die Arbeit mit belasteten Eltern von Fachpersonen den bewussten Umgang mit intensiven Emotionen, um die eigene Mentalisierungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
11:45–12:00 Uhr Diskussion
12:00-13:00 Uhr Mittagspause
Wir planen eine Stunde für Ihr individuelles Pausenprogramm, in dem ausreichende Zeit für einen Pausensnack, ein kleines Bewegungsprogramm oder auch einen Power-Nap sein soll.
13:00-13:45 Uhr
Die Kraft der frühen Beziehungen: Von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter
Prof. Dr. med. Oskar Jenni
Die Zürcher Longitudinalstudien (ZLS) begleiten Kinder seit den 1950er-Jahren bis ins hohe Erwachsenenalter. Sie zeigen eindrücklich, wie stark frühe Beziehungserfahrungen die Entwicklungsverläufe prägen – nicht nur im Hinblick auf körperliche Gesundheit, sondern auch auf psychisches Wohlbefinden, soziale Integration und Lebenszufriedenheit im späteren Leben.
Im Zentrum des Vortrags steht die Frage, was Kinder in den ersten Lebensjahren wirklich brauchen. Anhand ausgewählter Befunde wird deutlich, dass Entwicklung wesentlich in Beziehungen stattfindet. Geborgenheit – verstanden als verlässliche emotionale Verfügbarkeit, Schutz und Sicherheit – wirkt dabei als zentrale Entwicklungsressource.
13:45–14:00 Uhr Diskussion
15 Minuten Pause
14:15-15:00 Uhr
Verändert die Digitalisierung unsere Empathiefähigkeit?
Prof. em. Dr. rer. nat. Lutz Jäncke
Unser Gehirn ist ein Produkt der Steinzeit – geprägt für unmittelbare, körperlich erfahrbare soziale Interaktionen. Empathie entstand in kleinen Gruppen, im direkten Blickkontakt, im Lesen feinster mimischer und gestischer Signale. Heute hingegen kommunizieren wir zunehmend über Bildschirme, Emojis und algorithmisch gefilterte Inhalte.
Dieser Vortrag geht der Frage nach, was passiert, wenn ein evolutionär „altes“ soziales Gehirn auf eine radikal neue digitale Umwelt trifft. Wird Empathie durch die Reduktion realer Begegnungen und die Fragmentierung von Aufmerksamkeit geschwächt? Oder entstehen neue Formen des Mitfühlens im digitalen Raum?
Aus neuropsychologischer Sicht argumentiere ich, dass Digitalisierung weder per se empathiezerstörend noch -fördernd ist. Entscheidend ist vielmehr, wie wir sie nutzen – und ob es uns gelingt, die biologischen Voraussetzungen unseres Gehirns mit den Anforderungen der digitalen Welt in Einklang zu bringen.
Der Beitrag plädiert für einen bewussteren Umgang mit digitalen Medien – nicht aus kulturpessimistischer Sorge, sondern aus einem realistischen Verständnis unserer neurobiologischen Grenzen.
15:00–15:15 Uhr Diskussion
15:15-15:30 Uhr
Resümee und Abschluss
Ende: 15:30 Uhr
Referent*innen:
Prof. Dr. rer soc. Jutta Kienbaum
Professorin (W3) für Pädagogische Psychologie mit dem Schwerpunkt Entwicklungspsychologie, PH Karlsruhe
Dr. Phil. Maria Teresa Diez Grieser
Psychoanalytische Psychotherapeutin und Supervisorin, Zürich
Prof. Dr. med. Oskar Jenni
Extraordinarius für Entwicklungspädiatrie, Universität Zürich (UZH)
Leiter Abteilung Entwicklungspädiatrie
Prof. em. Dr. rer. Nat. Lutz Jäncke
Neurowissenschaftler und Psychologe, Zürich
Organisation:
Mirjam Hilgerloh, Stephanie Kirchhof, Teresa Landwehrmann
Arbeitsstelle Frühförderung Bayern
Veranstalter:
Arbeitsstelle Frühförderung Bayern
Seidlstr. 18a, 80335 München
Tagungsgebühr: 110 €/ Frühbucher*innen 90 € (bis 23.08.2026)
Die Arbeitstagung wird über den Anbieter Zoom als Online-Webinar durchgeführt. Der Link hierzu wird wenige Tage vor Veranstaltungsbeginn zugesendet. Wir freuen uns auf Sie und einen regen Austausch.